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Emotionale Intelligenz

Entscheidungsfindung und Sprechen: Problemlösung, Realitätsprüfung, Impulskontrolle

Realitätsprüfung hilft, die eigene Leistung auf Englisch fairer einzuschätzen. Die meisten bewerten sich strenger, als ihr Publikum es tut.

Der vierte Bereich beschreibt, wie Sie mit Emotionen umgehen, während Sie Entscheidungen treffen. Beim Sprechen ist jede Wortmeldung eine kleine Entscheidung: jetzt oder nicht, so oder anders.

Problemlösung (Problem Solving)

Gemeint ist, Lösungen zu finden, auch wenn Gefühle im Spiel sind.
Beim Sprechen: Fehlt ein Wort, sucht ein lösungsorientierter Kopf eine Umschreibung. Ein blockierter Kopf sucht nur das fehlende Wort.
Als Stärke nutzen: Legen Sie sich zwei Brücken zurecht: What I mean is… und Let me put it differently…

Realitätsprüfung (Reality Testing)

Gemeint ist, Situationen objektiv zu sehen, so wie sie sind, nicht wie man sie befürchtet.
Beim Sprechen: Viele hören in ihrem Englisch jeden Fehler, während das Gegenüber vor allem den Inhalt hört. Die Angst vergrößert, was objektiv klein ist.
Als Stärke nutzen: Fragen Sie nach dem Meeting: Wurde ich verstanden? Wenn ja, war es erfolgreich, egal wie es sich angefühlt hat.

Impulskontrolle (Impulse Control)

Gemeint ist, einen Impuls wahrzunehmen und ihm nicht sofort nachzugeben.
Beim Sprechen: Der Impuls zu schweigen ist auch ein Impuls. Genauso der, sich sofort zu entschuldigen oder hastig zu sprechen.
Als Stärke nutzen: Eine bewusste Pause von zwei Sekunden vor dem ersten Satz wirkt souverän und gibt Ihnen Zeit.

Eine Frage für Sie

Wie würde eine wohlwollende Kollegin Ihr Englisch im letzten Meeting beschreiben?
Die Zuordnungen zum Sprechen sind Erfahrungswerte aus meiner Mentoring-Praxis, keine Aussagen von MHS. EQ-i 2.0® ist eine eingetragene Marke von Multi-Health Systems Inc.
Das EQ-i 2.0 Modell der emotionalen Intelligenz mit fünf Bereichen und 15 Teilkompetenzen
Mit freundlicher Genehmigung der Multi-Health Systems Inc., Kanada

Vertiefung: Entscheiden in der Fremdsprache

Ein Befund überrascht viele Führungskräfte: Wer in einer Fremdsprache denkt, entscheidet in manchen Situationen nüchterner. Das klingt nach einem Vorteil, hat aber eine Kehrseite, die für das Sprechen in Meetings wichtig ist.

Der Fremdsprachen-Effekt

Boaz Keysar und sein Team an der University of Chicago legten Versuchspersonen klassische Entscheidungsaufgaben vor, einmal in der Muttersprache, einmal in einer gut beherrschten Fremdsprache. In der Fremdsprache ließen sich die Teilnehmenden weniger stark davon beeinflussen, ob eine Option als Gewinn oder als Verlust formuliert war, und sie waren eher bereit, faire Risiken einzugehen. Die Forschenden erklären das mit emotionaler Distanz: Die Fremdsprache löst schwächere Bauchreaktionen aus.
Albert Costa und Kolleg:innen fanden einen ähnlichen Effekt bei moralischen Dilemmata. In der Fremdsprache entschieden die Teilnehmenden häufiger nach Kosten und Nutzen und seltener nach dem ersten Gefühl.

Die Kehrseite für das Sprechen

Dieselbe Distanz, die beim Abwägen hilft, kann beim Sprechen bremsen. Wer auf Englisch weniger spürt, wie ein Satz beim Gegenüber ankommt, prüft ihn länger, bevor er ihn ausspricht. Realitätsprüfung wird dann zur Dauerschleife: Der Einwand ist richtig, aber der Moment ist vorbei. Impulskontrolle, im Deutschen oft eine Stärke, wird in der Fremdsprache leicht zum Grund, gar nichts zu sagen.

Problemlösung, Realitätsprüfung, Impulskontrolle im Meeting

Für die drei Teilkompetenzen heißt das: Problemlösung profitiert von der nüchternen Perspektive der Fremdsprache. Realitätsprüfung braucht eine Grenze, etwa die Regel, einen Gedanken spätestens beim zweiten passenden Moment einzubringen. Impulskontrolle ist dann gut eingesetzt, wenn sie Sie vom vorschnellen Ja abhält, nicht vom berechtigten Nein.
Ein praktisches Beispiel: In einer Budgetrunde liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, den Sie für zu riskant halten. Auf Englisch fällt Ihnen die Abwägung leicht, Sie sehen die Zahlen klar. Was fehlt, ist der Satz, der den Einwand rechtzeitig in den Raum bringt, etwa „Before we decide, I'd like to flag one risk in the numbers.“ Wer diesen Satz vorbereitet hat, verbindet den Vorteil der Fremdsprache mit der nötigen Präsenz.
Im Mentoring nutzen wir den Fremdsprachen-Effekt bewusst. Wir bereiten Entscheidungsvorlagen auf Englisch vor, weil die Abwägung dort oft klarer gelingt, und üben zugleich kurze Einstiegssätze, mit denen Sie die fertige Abwägung auch rechtzeitig aussprechen.

Ihr nächster Schritt

Quellen

  • Costa, A. et al. (2014). Your morals depend on language. PLoS ONE, 9(4), e94842.
  • Gregersen, T., & Horwitz, E. K. (2002). Language learning and perfectionism: Anxious and non-anxious language learners' reactions to their own oral performance. The Modern Language Journal, 86(4), 562–570.
  • Keysar, B., Hayakawa, S. L. & An, S. G. (2012). The foreign-language effect: Thinking in a foreign tongue reduces decision biases. Psychological Science, 23(6), 661–668.
  • Multi-Health Systems (MHS): EQ-i 2.0, abgerufen am 31.10.2026.