Emotionale Intelligenz und Sprechen: Was das EQ-i 2.0 über Ihre Stimme im Meeting zeigt
Das EQ-i 2.0 ist kein Sprachtest. Es zeigt Ihre sozial-emotionalen Stärken, und genau die entscheiden mit, ob Sie auf Englisch sprechen oder schweigen.
Viele Frauen, mit denen ich arbeite, sprechen gutes Englisch. Trotzdem gibt es diesen Moment im Meeting, in dem der Satz fertig im Kopf liegt und nicht herauskommt. Mehr Vokabeln lösen das selten. Was hilft, ist ein genauerer Blick darauf, wie Sie in solchen Momenten mit sich selbst umgehen.
Kein Sprachtest, sondern eine Landkarte Ihrer Stärken
Das EQ-i 2.0 misst nicht, wie gut Ihr Englisch ist. Es beschreibt, wie Sie Emotionen wahrnehmen, ausdrücken und steuern, wie Sie mit anderen in Beziehung gehen, Entscheidungen treffen und mit Druck umgehen. Das Ergebnis ist keine Note und keine Diagnose. Es ist eine Landkarte: Wo liegen Ihre tragenden Kompetenzen, und welche stehen Ihnen unter Anspannung gerade weniger zur Verfügung?
Im Mentoring beginnen wir immer bei den Stärken. Wer weiß, worauf sie sich verlassen kann, spricht anders als jemand, der nur auf seine Lücken schaut.
Woher das Modell kommt
Das EQ-i geht auf den Psychologen Reuven Bar-On zurück. Er beschreibt emotional-soziale Intelligenz als ein Bündel zusammenhängender Kompetenzen, die bestimmen, wie wirksam wir uns selbst verstehen und ausdrücken, andere verstehen und mit ihnen umgehen und mit den Anforderungen des Alltags zurechtkommen. Das ursprüngliche EQ-i war nach seinen Angaben das erste Verfahren dieser Art, das ein psychologischer Testverlag veröffentlicht hat. Die Werte werden wie beim IQ auf einen Mittelwert von 100 normiert.
Die heutige Fassung, das EQ-i 2.0, wird von Multi-Health Systems (MHS) herausgegeben. Sie füllen den Fragebogen online aus, das dauert laut MHS etwa 15 bis 20 Minuten. Auswerten und besprechen dürfen ihn nur zertifizierte Anwenderinnen und Anwender. Ich bin für das EQ-i 2.0 und das EQ360 zertifiziert.
Die fünf Bereiche und die 15 Teilkompetenzen
Selbstwahrnehmung (Self-Perception): Selbstachtung, Selbstverwirklichung, emotionale Selbstwahrnehmung. Wie sich das beim Sprechen zeigt
Die Sprachforschung beschreibt Sprechangst in der Fremdsprache als eigenes Phänomen: Erwachsene erleben sich in ihrer Muttersprache als kompetent und können sich in der Fremdsprache nur eingeschränkt so zeigen, wie sie sind. Diese Lücke zwischen dem eigenen Selbstbild und dem, was gerade sagbar ist, fühlt sich bedrohlich an.
Eine Studie mit 464 mehrsprachigen Erwachsenen fand, dass Menschen mit höherer emotionaler Intelligenz deutlich weniger Sprechangst in ihren Fremdsprachen berichteten. Gemessen wurde dort mit einem anderen Verfahren als dem EQ-i, die Richtung ist aber eindeutig: Wer emotional gut aufgestellt ist, hat es beim Sprechen leichter. Mehr dazu im Artikel Sprechangst in der Fremdsprache: Was die Forschung weiß.
Wie wir mit Ihrem Ergebnis arbeiten
Stärken sichtbar machen: Welche zwei, drei Kompetenzen tragen Sie, auch auf Englisch?
Den einen Hebel finden: Welche Kompetenz steht Ihnen im entscheidenden Moment weniger zur Verfügung?
In echte Situationen übersetzen: Projektupdate, Rückfrage, Einwand. Wir üben dort, wo es zählt.
Die Zuordnungen auf diesen Seiten sind Erfahrungswerte aus meiner Mentoring-Praxis und keine Aussagen von MHS. Das EQ-i 2.0 ist keine klinische Diagnose. EQ-i 2.0® ist eine eingetragene Marke von Multi-Health Systems Inc.
Mit freundlicher Genehmigung der Multi-Health Systems Inc., Kanada
Vertiefung: Was emotionale Intelligenz mit Sprechbereitschaft zu tun hat
Das EQ-i 2.0 misst emotionale Intelligenz als Bündel erlernbarer Fähigkeiten. Die Sprachforschung hat in den letzten zwanzig Jahren untersucht, wie diese Fähigkeiten mit dem Sprechen in einer Fremdsprache zusammenhängen. Drei Linien sind für Führungskräfte besonders aufschlussreich.
Emotionale Intelligenz als Persönlichkeitsmerkmal
K. V. Petrides und Adrian Furnham beschrieben emotionale Intelligenz als Selbstwahrnehmung der eigenen emotionalen Fähigkeiten. In späteren Studien mit Jean-Marc Dewaele zeigte sich, dass Menschen mit höheren Werten in diesem Bereich in Fremdsprachen weniger kommunikative Angst berichten. Die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen und zu steuern, wirkt also wie ein Schutzfaktor.
Regulation vor dem Satz, nicht danach
James Gross unterschied zwei Wege der Gefühlsregulation: Neubewertung, bevor die Emotion voll entsteht, und Unterdrückung, nachdem sie schon da ist. Unterdrückung erhöhte in seinen Studien die körperliche Erregung, Neubewertung nicht. Für das Sprechen auf Englisch heißt das: Wer die Anspannung vor dem Meeting einordnet, hat im Meeting mehr Kapazität für Sprache.
Die Situation entscheidet mit
Das Modell der Sprechbereitschaft von Peter MacIntyre und Kolleg:innen ergänzt diese Sicht: Neben stabilen Eigenschaften zählen Beziehung, Thema und Gruppe im Moment. Das EQ-i 2.0 liefert die stabile Seite, das Mentoring arbeitet mit beiden.
So verstehen wir Ihr Ergebnis: als Landkarte, welche Fähigkeiten Ihnen beim Sprechen bereits tragen und wo gezieltes Üben am meisten bewirkt.
Nein. Es misst sozial-emotionale Kompetenzen, nicht Ihr Sprachniveau. Wir nutzen es, um Ihre Stärken zu finden und gezielt beim Sprechen einzusetzen.
Kann man bei diesem Test durchfallen?
Nein. Es gibt kein Bestehen oder Durchfallen. Die Werte zeigen, welche Kompetenzen Ihnen leicht zur Verfügung stehen und welche weniger.
Wie lange dauert der Fragebogen?
Laut MHS etwa 15 bis 20 Minuten, online und in Ruhe zu Hause.
Quellen
Bar-On, R. (2006). The Bar-On model of emotional-social intelligence (ESI). Psicothema, 18, Suppl., 13–25.
Dewaele, J.-M., Petrides, K. V., & Furnham, A. (2008). The effects of trait emotional intelligence and sociobiographical variables on communicative anxiety and foreign language anxiety among adult multilinguals. Language Learning, 58(4), 911–960.
Gross, J. J. (1998). Antecedent- and response-focused emotion regulation. Journal of Personality and Social Psychology, 74(1), 224–237.
Horwitz, E. K., Horwitz, M. B., & Cope, J. (1986). Foreign language classroom anxiety. The Modern Language Journal, 70(2), 125–132.
MacIntyre, P. D., Clément, R., Dörnyei, Z. & Noels, K. A. (1998). Conceptualizing willingness to communicate in a L2. The Modern Language Journal, 82(4), 545–562.
Multi-Health Systems (MHS): EQ-i 2.0, abgerufen am 31.10.2026.
Petrides, K. V. & Furnham, A. (2001). Trait emotional intelligence: Psychometric investigation with reference to established trait taxonomies. European Journal of Personality, 15(6), 425–448.